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Was sollten Sie den Leuten Sagen

Was ist eine Eizellspende?Einigen Patienten fallt es leicht ihrem Umfeld zu sagen, dass ihr Kind mithilfe einer Eizellspende zur Welt gekommen ist und anderen fallt es weniger leicht. Unfruchtbarkeit ist ohne Frage eine hochst personliche Angelegenheit und die Entscheidung, mit wem man sich daruber unterhalten mochte, kann sehr unterschiedlich ausfallen. Die einzelnen Standpunkte zur Eizellspende sind sehr breit gefachert und nur Sie allein konnen entscheiden, ob und wenn ja, wem Sie was, wann und wo erzahlen mochten.

Warum sollte man daruber sprechen?

Menschen, die ihren Kinderwunsch ohne arztliche Hilfe erfullen konnen, brauchen sich uberhaupt nicht mit der Frage auseinanderzusetzen, was sie anderen uber die Umstande der Zeugung ihrer Kinder erzahlen sollten. Es wird als vollig selbstverstandlich vorausgesetzt sowohl von den Eltern als auch von ihrer Umgebung dass die austragende Mutter auch die genetische Mutter ist. Wenn die zukunftige Mutter einen Ehemann oder Lebenspartner hat, wird ebenso selbstverstandlich angenommen, dass er der biologische Vater ist.

Menschen, die eine Eizellspende in Anspruch nehmen, fragen sich hingegen oft, was sie nun sagen und wem sie es sagen sollten. Der Personenkreis, der ggf. informiert werden konnte, lasst sich in mehrere Kategorien einteilen:

- das Kind selbst

- nahe Verwandte

- weitlaufigere Verwandte

- enge Freunde

- weniger enge Freunde, Bekannte und Nachbarn

- Kollegen und Geschaftspartner

- Angehorige medizinischer Berufe

- Behorden (z.B. Standesamt)

An der AVA-Peter Klinik sehen wir es als unsere Aufgabe an, den Patientinnen alle Informationen an die Hand zu geben, die fur eine sorgfaltige Abwagung dieser Frage erforderlich sind. Vielleicht wird Ihre Entscheidung so aussehen, dass Sie einigen wenigen Menschen oder einigen der oben aufgefuhrten Kategorien von Menschen etwas erzahlen, anderen aber nicht. Wir meinen, Sie sollten die Gelegenheit erhalten, ganz nach Ihren eigenen Bedurfnissen fur sich selbst zu entscheiden, welches Modell der familiaren Beziehungen am besten zu Ihnen passt.

Sage ich es meinem Kind?

Die wichtigste Frage uberhaupt ist die, ob Sie Ihrem Kind etwas uber die Eizellspende erzahlen. Hatte man die freie Wahl, auf welchem Wege man ein Kind bekommt, wurde man sich vermutlich niemals als allererstes fur eine Eizellspende entscheiden, aber man kann in dieser Methode dennoch durchaus positive Seiten sehen. Im Gegensatz zu vielen Kindern, die ohne arztliche Hilfe gezeugt wurden, kann sich jedes mithilfe einer gespendeten Eizelle geborene Kind ganz sicher sein, dass es ein absolutes Wunschkind ist. Die Eltern solcher Kinder haben in aller Regel einen stark ausgepragten Kinderwunsch gehabt und haben unzahlige Hurden und Barrieren uberwunden, um diesen Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen. Kinder, die ihr Leben einer Eizellspende verdanken, werden in den meisten Fallen au?erordentlich wertgeschatzt und zutiefst geliebt. Daher ist die Wahrscheinlichkeit sehr gro?, dass diese Kinder bei guter seelischer und korperlicher Gesundheit heranwachsen, wahrend ihrer gesamten Kindheit von ihren Eltern kompetent unterstutzt werden, stabile Beziehungen zu anderen Menschen entwickeln und lernen, das Beste aus ihrem Leben zu machen.

Aus Sicht der meisten Organisationen und Fachleute, die sich mit Fertilitat und Reproduktion beschaftigen, ist es ratsam, gleich von Anfang an offen und ehrlich mit dem Kind uber seine Herkunft zu sprechen. Wenn der Inhalt positiv dargestellt und ganz normal erzahlt wird, konnen Sie auch einem kleinen Kind verstandlich vermitteln, dass es ganz besonders geliebt wird, weil Mama und Papa sich so gro?e Muhe geben mussten, ein Kind zu kriegen. Im Laufe der Zeit konnen Sie dem Kind dann zusatzliche altersgema?e Informationen geben. Es gibt auch Kinderbucher zum Thema, die Ihnen dabei helfen konnen, Ihrem Kind die ganz besondere Weise seiner Entstehung zu erklaren.

Es kann aber auch sein, dass Sie Ihrem Kind lieber gar nichts sagen. Auch dafur gibt es gute Grunde. Vielleicht verunsichern und verwirren Sie Ihr Kind, wenn Sie ihm erklaren, dass Mama gar nicht seine genetische Mutter ist und vielleicht fuhrt das nur dazu, dass Ihr Kind die Spenderin suchen mochte. Moglicherweise haben Sie mit engen Freunden und Ihrer Familie uberhaupt nicht uber die Notwendigkeit einer Eizellspende gesprochen und mochten jetzt auch nicht damit anfangen. Ein weiterer Grund, der gegen einen offenen Umgang mit der Tatsache der Eizellspende sprechen konnte, sind unsensible Bemerkungen oder Fragen, die Ihnen und/oder Ihrem Kind uber seine wahre Mutter gestellt werden konnten und die Sie einfach vermeiden mochten.

Sage ich es anderen Leuten?

Einige Empfangerinnen von gespendeten Eizellen sprechen nur mit ihrem Lebenspartner daruber, andere wiederum erzahlen es nur einem ganz bestimmten Personenkreis und keinem anderen, wahrend etliche Empfangerinnen keine Schwierigkeiten haben, das Thema jedem gegenuber anzuschneiden. Was die Frage der Unfruchtbarkeit angeht, sind die Menschen heutzutage insgesamt offener geworden. Zum Teil liegt dies wohl auch an dem stetig wachsenden offentlichen Bewusstsein auf diesem Gebiet. Viele Artikel uber Unfruchtbarkeit und Eizellspenden sind in ganz unterschiedlichsten Zeitungen und Zeitschriften veroffentlicht worden, diese andauernde Auseinadersetzung in der Offentlichkeit fuhrt dazu, dass die Menschen mit dem gesamten Themenkomplex positiver und aufgeschlossener umgehen. Dennoch: Alle Menschen sind Individuen und so kommt nicht fur jeden die gleiche Losung in Frage.

Als Entscheidungshilfe fur Sie haben wir eine ganze Reihe von Grunden fur und wider den offenen Umgang mit dem Thema Eizellspende aufgelistet, die uns verschiedene Personen genannt haben. Diese Grunde sind in den letzten 20 Jahren im Zuge umfangreicher Forschungsarbeiten zusammengetragen worden.

Grunde fur eine Bekanntgabe:

Empfangerinnen sahen keinen Grund, sich zu schamen;

die Unterstutzung der Familie und des Freundeskreises sollte gewonnen werde;

die Familie und der Freundeskreis wussten uber das Fruchtbarkeitsproblem Bescheid;

es sollte keine Geheimnisse innerhalb der Familie geben;

sie wollten nicht riskieren, dass das Kind zufallig von der Eizellspende erfahrt

dem Kind sollte deutlich werden, dass es wirklich ein Wunschkind war

Recht des Kindes uber seinen Ursprung Bescheid zu wissen

das Kind sollte wissen, dass es keine Risiko fur eine bestimmte Erbkrankheit hatte

Die Krankengeschichte, bzw. Behandlung des Kindes erforderten eine genaue Auskunft an den Arzt

Grunde gegen eine Bekanntgabe

Angst von der Umgebung missverstanden zu werden;

Uberzeugung, dass Unfruchtbarkeit ein rein personliches Problem ist;

Scham oder Trauer wegen der Erfordernis einer Fruchtbarkeitsbehandlung;

Wunsch die Frage nach der wahren Mutter zu vermeiden;

Wohlergehen des Kindes (Kind sollte von anderen nicht als eigenartig behandelt werden);

Religiose/kulturkreisbedingte Grunde (die zur mangelnden Akzeptanz innerhalb der Gruppe fuhren)

Wunsch die Behandlung und die vorherigen Schwierigkeiten zu vergessen

Was sagen die Fachleute?

Das Ethikkomitee der Amerikanischen Gesellschaft fur Reproduktionsmedizin (ASRM) befurwortet nachdrucklich das Prinzip, dass Eltern ihren Kindern die Tatsache der Keimzellspende offen sagen sollten. Das Komitee ist daruber hinaus der Auffassung, es liege im besten Interesse des Kindes, nicht-personenbezogene Informationen uber die Spenderin zu erhalten. Daruber hinaus gilt die Empfehlung, auch personliche Angaben uber die Spenderin mitzuteilen, wenn alle Beteiligten damit einverstanden sind. Das Komitee erkennt allerdings an, dass es sich hierbei um eine au?ergewohnliche, zutiefst personliche Entscheidung handelt, die nur von den Eltern selbst getroffen werden kann (ASRM Ethikkomitee, 2004).

Die Arbeitsgruppe Ethik und Recht der Europaischen Gesellschaft fur menschliche Reproduktionsmedizin und Embryologie (ESHRE) schlagt ein zweigleisiges Verfahren vor. Diese Vorgehensweise gewahrt der Spenderin zwei Moglichkeiten: Sie kann entweder als identifizierbare Person oder aber vollstandig anonym an dem Spendenprogramm teilnehmen. Auch die Empfangerin hat die Wahlmoglichkeit zwischen einer identifizierbaren und einer vollig anonym bleibenden Spenderin. Dem entsprechend sollten dann bei der Auswahl einer Spenderin sowohl die Wunsche der Spenderin als auch die der Empfangerin berucksichtigt werden. (ESHRE Arbeitsgruppe Ethik und Recht, 2002). Allerdings kommt dieses Verfahren noch nicht uberall zur Anwendung.

In bestimmten Landern ist eine anonyme Zellspende nicht (oder nicht mehr) zulassig. Dies hat zur Folge, dass Kinder, welche mithilfe von Ei- oder Samenzellspenden geboren wurden, bei Erreichen einer festgesetzten Altersgrenze Auskunfte zur Person der Spenderin, bzw. des Spenders erhalten konnen. Dies beinhaltet allerdings, dass die Kinder zuvor uber die eigentliche Zellspende Bescheid wissen mussen. In den meisten Landern wird den Eltern die Entscheidung uberlassen, ob sie diese Tatsache offenlegen; allerdings sind einige Fachleute der Ansicht, dass Paare, die ein Kind mithilfe einer Ei- oder Samenzellspende bekommen haben, dem Kind diese Tatsache auch mitteilen sollten, sobald es ein bestimmtes Alter erreicht hat.

Eine in England durchgefuhrte Umfrage hat ergeben, dass Kinder nahere Informationen zu ihren Spendern vor allen Dingen deshalb suchten, um ihre eigene Neugier hinsichtlich einer Person zu befriedigen, mit der sie Aussehen und Verhaltensweisen gemeinsam haben, und nicht um eine langfristige Beziehung einzugehen (Howe et al., 2000).

Befurworter eines offenen Umgangs mit der Tatsache einer Zellspende machen geltend, dass jeder Mensch grundsatzlich an der eigenen biologischen Herkunft interessiert ist und ein Anrecht darauf hat, daruber informiert zu sein, weil dieses Wissen einen uberaus wichtigen Platz in der personlichen Entwicklung einnimmt. Daruber hinaus stellen die Befurworter fest, dass eine solche Offenlegung eine zentrale Rolle beim offenen und fairen Umgang mit Kindern spielt. Unter anderem lasst sich auf diese Art und Weise Geheimnistuerei in der Familie vermeiden, die moglicherweise zu Spannungen zwischen den uber die Zellspende informierten und den nicht informierten Familienmitgliedern fuhren konnte. Wenn das Kind fruhzeitig uber seine Herkunft aufgeklart wird, vermeidet man daruber hinaus auch das Risiko, dass es rein zufallig von der Zellspende erfahrt, z.B. weil es ein Gesprach mitbekommt oder weil die Zellspende bei einem Familienkrach erwahnt wird. Vielen adoptierten Kindern ist dies widerfahren, was dann gro?e Besturzung und Verwirrung zur Folge hatte, weil ihnen zuvor die Wahrheit nicht gesagt worden war. Ihre Verbitterung uber die Geheimhaltung und der Vertrauensverlust, den sie moglicherweise durch ihr vorheriges Nichtwissen empfinden, konnen weitaus gro?ere psychische Auswirkungen haben, als wenn sie einfach uber die Tatsachen aufgeklart worden waren.

Dessen ungeachtet ermoglicht die Verschwiegenheit es den Eltern, ihre Unfruchtbarkeit geheim zu halten, was sie aus vielerlei Grunden vielleicht mochten. Da mag die Befurchtung, das Kind konne das genetisch nicht verwandte Elternteil ablehnen, ein Grund sein oder aber auch die Angst vor abschatzigen Reaktionen innerhalb der Familie, insbesondere in Kulturkreisen, in denen Ei- oder Samenzellspenden als unakzeptabel gelten. Selbst in einem sozialen Umfeld, das eine Eizellspende als Konzept durchaus versteht, werden Sie moglicherweise das Gefuhl haben, dass Sie und/oder Ihr Kind anders betrachtet werden oder dass man sogar auf Sie herabschaut. Sobald die Information uber eine Zellspende offentlich geworden ist, wissen Sie nicht mehr daruber Bescheid, wer nun eigentlich davon wei? und wer nicht. Eizellspenden sind in Russland anonym und viele unserer Patientinnen ziehen es auch vor, nichts von der ganzen Sache preiszugeben.

Eizellspende und Adoption: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Wird eine Ei- oder Samenzellspende in Anspruch genommen, so gibt es bei den Eltern ein biologisches und ein soziales Elternteil, wahrend bei einer Adoption beide Eltern soziale Eltern sind. Adoptiert man ein Kind, so wird ein bereits existierendes Individuum als neues Mitglied in die Familie aufgenommen. Bei einem Adoptivkind ist es so, dass es in einer Familie nicht aufwachsen kann und von einer anderen adoptiert wird, daher benotigt es genaue Angaben uber seine Herkunft. In Abhangigkeit von den Umstanden und den vorherigen Traumata, die ein adoptiertes Kind erlitten haben mag, ist fur sein seelisches Wohl vielleicht eine Therapie notwendig. Bei Inanspruchnahme einer Ei- oder Samenzellenspende hingegen wird das Kind schon von einem sehr fruhen Zeitpunkt an im Mutterleib seiner zukunftigen Mutter genahrt und wird so zu einem innig geliebten Teil der Familie, ehe es uberhaupt geboren wird.

Aber genau wie bei der Adoption bleibt die Tatsache bestehen, dass das Kind mit mindestens einem Eltern Teil nicht genetisch verwandt ist. Diese Tatsache zu erklaren, ist eine schwierige Aufgabe, die uberdies zu einer Fulle unterschiedlichen Reaktionen fuhren kann. Einige Kinder interessiert die ganze Sache nicht sonderlich, was bei einigen auch weiterhin so bleibt, wahrend andere sich im Laufe der Zeit dann doch mehr dafur interessieren. Bei einigen Kindern kann es insbesondere dann zu sozialer und psychischer Verunsicherung kommen, wenn sie mehr uber die Spenderin erfahren mochten, dies aber nicht moglich ist. Andere Kinder wiederum konnen die Grunde ihrer Eltern, sich fur eine Eizellspende zu entscheiden, gut nachvollziehen und akzeptieren sie auch. Sie selbst kennen Ihr Kind am Allerbesten und werden mit Sicherheit den besten Weg und Zeitpunkt finden, um Ihrem Madchen oder Jungen das Notwendige zu erzahlen. Sofern Sie Ihrem Kind lieber nichts sagen mochten, ist das Ihre Entscheidung, die Sie mit Fug und Recht selbst auch so treffen konnen.